Bad Lippspringe, ich bin stinksauer

Man könnte meinen, dass – gerade hier bei uns auf dem Land – die Menschen ein wenig enger zusammen rücken. Für einander da sind. Sich für einander stark machen. Leider steht dem immer wieder absolute Bürokratie im Wege.

Ich bin stinksauer. Aus einigen Gründen. Auf die Stadt Bad Lippspringe, auf unseren Gesetzgeber, auf den Bürgermeister der Stadt Bad Lippspringe, auf den Bürgermeister der Gemeinde Schlangen.

Gehen wir den Weg von Anfang an.

Meine „kleine“ Tochter wechselt in diesem Jahr die Schule. Eben noch ein Grundschulkind, geht es nun weiter in die „Weiterführende“. Hier bei uns in Schlangen gibt es keine staatliche weiterführende Schule mehr. Ein Wechsel auf eine Schule in den umliegenden Orten/Städten ist also unausweichlich. Hier bieten sich diverse Schulformen in Paderborn, Detmold, Horn-Bad Meinberg und Bad Lippspringe an.

Bevor wir uns entscheiden konnten, waren einige Dinge klar, die es zu bedenken gibt.

Entscheidung: Gesamtschule Bad Lippspringe-Schlangen

Damit ich weiter in Vollzeit meine Arbeit machen kann (wozu laut Studie der Bertelsmann Stiftung derzeit nur ein Bruchteil der Alleinerziehenden überhaupt in der Lage sind) benötigen wir einen recht reibungslosen Ablauf in der Tagesorganisation. Neben der Schule springen derzeit fast täglich meine Schwiegereltern ein und betreuen bis zu meinem Feierabend meine Tochter. Fahren sie zum Sport, machen Hausaufgaben, essen mittags gemeinsam. Die restliche (wenige Zeit) bleibt uns.

Mit dem Wechsel zu einer weiterführenden Schule trug auch dieses dazu bei, eine Entscheidung zu fällen. Wir brauchen gemeinsame Zeit, meine Tochter braucht auch Freizeit, möglichst eine gute Betreuung in der Schule. Unsere fiel zu Gunsten der Gesamtschule Bad Lippspringe Schlangen. Die Gesamtschule bietet wirklich viel, überzeugte uns vom Konzept, der Betreuung. An drei Tagen in der Woche hat sie lange Schule – also auch am Nachmittag Unterricht. Dazu werden die Hausaufgaben betreut in der Schule gemacht. Natürlich fällt zusätzliches Lernen in die Freizeit. In der Mittagspause gibt es Essen in der eigenen Schulkantine und zusätzliche Angebote wie Sport und Co. Und: die Schule ist nicht weit entfernt. Nur ein paar Busstationen.

Nicht weit entfernt. Nicht weit genug.

Nicht weit genug? Ja, nicht weit genug. Der Antrag auf die Schülerfahrtkarte für die Busfahrten, die der Schulträger übernimmt – in diesem Fall die Stadt Bad Lippspringe – wurde für meine Tochter abgelehnt. Begründung: Nicht weit genug entfernt. Um die Kosten zu übernehmen, muss die Entfernung mind. 3,5 km zwischen Haus- und Schultür messen. Bei uns sind es 3,088km.

In meinem Antrag habe ich deutlich gemacht, dass ich darauf angewiesen bin, dass meine Tochter mit dem Bus fährt. Nicht allein zu der am nächsten zu unserem Haus gelegenen Bushaltestelle, sondern auch deutlich weiter um nach der Schule von meinen Schwiegereltern (regelmäßig) betreut werden kann. Damit ich weiter arbeiten gehen kann und eben nicht darauf angewiesen sein muss, andere staatliche Bezüge zu beantragen.

Auch auf die erneute Anfrage (dieses Mal per E-Mail) und der freundlichen Bitte um Beachtung der besonderen Situation, der Fragestellung wieso eine solche Entscheidung auf Basis von Entfernungen getroffen wird und hier Null-Flexibilität möglich ist, kam die gleiche bürokratische Mitteilung. Inkl. der Möglichkeit Einspruch einzulegen.

Natürlich kann man dann einfach schlucken, es hinnehmen und es auf sich beruhen lassen. Aber: Zum einen sind es zusätzliche Kosten, die es durchaus in sich haben. Zum anderen wird hier eine Entscheidung gefällt, die aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar ist. Und nein, definitiv lasse ich das eben nicht einfach auf sich beruhen.

Fragen, die ich mir dann stelle

  • Muss ein Kind mit 3,088 km Entfernung mit dem Rad zu Schule fahren oder laufen?
  • Muss ich es mit dem Auto bringen?
  • Muss es bei Regen, Eis und Schnee laufen?
  • Wieso ist hier der alleingültige Parameter der Entscheidung die Entfernung zu Schule?
  • Muss ich nun noch mehr arbeiten, noch mehr Zeit OHNE meine Kinder verbringen, da ich den Bustransfer nun selbst zahle?
  • Wie viele andere sind von dieser – Entschuldigung – dämlichen Regelung betroffen?
  • Ist das tatsächlich die Familienpolitik, mit der man in Verbindung gebracht werden möchte?

Fragen, die ich auch den beiden Bürgermeistern per E-Mail gestellt habe. Und der Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Christina Kampmann. Ob Ihr es glaubt oder nicht – diese antwortete innerhalb von 45 Minuten persönlich auf die Mail. Vielen Dank, das ist wirklich großer Sport und eine absolute Ausnahme.

Von den beiden Volksvertretern der Gemeinde Schlangen und der Stadt Bad Lippspringe habe ich bis heute keine Antwort. Die Mail ist am 27. Juli 2016 bei mir raus. Keine Abwesenheitsnachricht, keine Eingangsbestätigung, kein Anruf, kein Brief. Ist das professionell? Nein. Sorry, aber in heutiger Zeit ist selbst eine Urlaubsbenachrichtigung durchaus üblich. Gerade an solchen Stellen und Positionen. Dazu schreibe ich an andere Stelle dann sicher noch weiter.

Natürlich sollte man auch etwas erwarten:

  • Ich erwarte NICHT, dass nun, nur weil ich laut meckere die Schülerfahrkarte meiner Tochter bezahlt wird.
  • Ich erwarte, dass sich MEIN Bürgermeister mit der Situation der Menschen in Bezug auf diese Regelung mit der Stadt Bad Lippspringe auseinander setzt und sich für UNSERE Belange einsetzt.
  • Ich erwarte eine Antwort auf meine E-Mail – von beiden Bürgermeistern, auch von Herrn Bee in Bad Lippspringe und der bürgernahen Auseinandersetzung statt der rein bürokratischen Mitteilung durch eine Sachbearbeiterin.

Übrigens: Als meine Tochter von der unsinnigen Entscheidung mitbekam, sagte sie: „Dann gehe ich halt auf eine andere Schule. Hauptsache ich sehe Dich nicht noch weniger.“ Das wiederum ist natürlich nicht der Fall. Ich werde alles möglich machen, dass es natürlich dabei bleibt und ich nicht noch weniger Zeit habe – aber mit der Problematik, der unsinnigen Entscheidung und der fehlenden Flexibilität und Professionalität werde ich mich weiter beschäftigen. Wenn es jetzt für uns nichts wird, dann hoffentlich wenigstens irgendwann für andere.

Stay tuned. Ich wette, hier geht es weiter.

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Thorsten Ising ist Berater für Online- und Social Media Marketing, Digitale Kommunikation und eCommerce. Als Experte steht er als Fachgutachter (Bücher), Blogger, Kolumnist, Dozent an diversen Bildungseinrichtungen vielfältig zur Verfügung. Er hält Vorträge, Seminar und Workshops zu vielen Themen im Gesamtbereich digitale Kommunikation und Social Media und berät Unternehmen, Organisationen und Menschen zur erfolgreichen Nutzung von Kanälen und Strategien.

Comments

  1. Danke für deine Bemühungen!
    Ich kann dich gut verstehen und drück die Daumen, dass du was bewirken kannst!!!
    Egal ob aufm Dorf oder in einer Großstadt wie Hamburg… Man muss sich überall rumärgern mit der Bürokratie. Wir wählten eine Grundschule, die nicht im Einzugsgebiet von uns liegt und hatten schon damit unseren Spaß…

    Halte durch und viel Erfolg!
    LG Sandy

  2. Stefan Evertz : August 11, 2016 at 6:37 pm

    Kann dich absolut verstehen. Und doch muss ich fragen: Von welchem Betrag reden wir hier? Und vielleicht kann man ja die Stadt überzeugen, einfach (3,088/3,5) % des Betrages zu zahlen 😉 Absurder als diese Meterzählerei kann es ja eigentlich nicht mehr werden…

  3. Hallo, das ist wirklich ärgerlich, vor allem, wenn man einfach keine Antwort auf Emails erhält. Das wirft auf einen, wie Du so schön schreibst „Volksvertreter“, kein gutes Licht. Allerdings muss ich gestehen, dass ich von Bad Lippspringer Seite auch nicht wirklich etwas Anderes erwartet hätte.
    Ich drücke definitiv die Daumen, dass Du etwas erreichen wirst und Deine Tochter nicht zurückstecken muss.
    Liebe Grüße!

    • Thorsten Ising : August 11, 2016 at 6:49 pm

      Selbstverständlich wird sie das nicht müssen. Natürlich zahle ich das Ticket (wie geschrieben). Dennoch hoffe (und streite mich dafür halt jetzt), dass sich ein paar Menschen bewegen und über künftige Entscheidung mit mehr Individualität und Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen.

      • Ohhh das ist wie in unserem fall. Wohnen in sande und mein Sohn kommt nach elsen zur Gesamtschule. Zur Grundschule die 50m davor liegt wurde die karte bezahlt aber nicht zur Gesamtschule.

      • Ich finde es gut, dass Du nicht alles hinnimmst und Du hast Recht, mehr Individualität wäre in definitiv ein guter Ansatz. Liebe Grüße.

  4. Marc Fröhlich : August 12, 2016 at 12:21 pm

    Sorry, ich mache mich unbeliebt, aber diese Regelung gibt es seit 30 Jahren. Und diese paar Meter, die zwischen 3088 und 3500 fehlen, sind knapp 15%.
    Wir hatten damals Probleme, bei denen es wegen 25 Meter abgelehnt wurde.

    Ich kann die Wut verstehen, dass die Obrigkeit es nicht nötig hat, darauf zu reagieren! Da würde mir auch der Hut brennen!

    Und zu dem letzten Kommentar. Ja, zur Grundschule wurde es übernommen, weil dort die Berechnungsgrundlage vermutlich bei 2km liegt. In der Oberstufe lag sie damals dann bei 5km.

    • Thorsten Ising : August 12, 2016 at 12:32 pm

      Nur weil etwas seit 30 Jahren besteht, heißt das nicht, dass das es in Ordnung oder eben immer richtig sein muss 🙂 Und: wenn keiner was sagt. bleibt es die nächsten 30 Jahre vielleicht auch so 🙂

  5. Ralf Bergmann : August 13, 2016 at 5:44 am

    Hallo Thorsten,
    dass ein Bürgermeister nicht reagiert, ist wohl mittlerweile Usus ! Traurig aber wahr, hab das auch schon in BaLi sowie hier in Padrrborn erlebt !
    Verstehe dich hundertprozentig und unterstütze das sehr gern.
    Habe das Gleiche erlebt vor 15 Jahren, da ging es auch um diese 5 km Grenze!

    Allerdings hast vergessen zu erwähnen, dass die Sicherheit auf dem Schulweg heutzutage absolute Priorität haben MUSS !!!!
    Ich meine damit nicht die Verkehrssicheit !!
    Oder muss auch hier erst wieder was passieren ???
    Drücke dir dir Daumen , Vllt bringt ne Unterschriften-Aktion was …..

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